Sicherheitsstandards für den Bereich „Aktivitäten mit Kletterbestandteilen an künstlichen Kletterwänden oder ähnliches und in Klettergärten (Felsklettern in Einseillängenrouten) in Topropesicherung“

Verbindliche Sicherheitsstandards für den Bereich „Aktivitäten mit Kletterbestandteilen an künstlichen Kletterwänden oder ähnliches und in Klettergärten (Felsklettern in Einseillängenrouten*³) in Topropesicherung“ als ein Arbeitsgebiet der Erlebnispädagogik für alle Träger und Anbieter von erlebnispädagogischen und erlebnisorientierten Maßnahmen auf dem Gebiet des Landkreises Harz.

 

 

a) Anforderungen an die Teilnehmer (TN)

– die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig

– kein Mindestalter aber gewisse Körpergröße muss vorhanden sein, damit alle Gurte auch ordnungsgemäß angelegt werden können

– bei Teilnehmern ohne Klettererfahrung sind grundsätzlich Komplettgurte bzw. Hüft- und Brustgurte zu verwenden

–  bei Konstruktionen von künstlichen Klettereinheiten in Bäumen besteht Helmpflicht, wenn Gefahr durch            herunterfallenden Ästen oder anderen möglichen Unfallquellen besteht

in Klettergärten (Felsklettern) besteht grundsätzlich Helmpflicht

 

 

b) Anforderung an die Leitung/ Sicherungspersonal

– aktuell gültiger DAV-Kletterschein, mindestens „Toprope“, Wiederholung aller drei Jahre

–  beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), mindestens den aktuell gültigen DAV- Kletterschein "Outdoor- Klettern - Basics", Wiederholung aller drei Jahre

  beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), Grundkenntnisse in der Konstruktionstechnik (im Zuge der Ausbilddung DAV- Kletterschein "Outdoor- Klettern - Basics" ggf. ergänzend  Teilnahmenachweise von einschlägigen Fortbildungen)

  beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), Beachtung ökologischer Aspekte und Naturschutz, (Tiere, Pflanzen, Fels etc.)

  beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), vor Kletterbeginn Risikocheck der Kletterrouten

–  Grundkenntnisse vom Klettersport

– regelmäßige Sicherungshandling nach den jeweils gültigen Standards des DAV

– Erste-Hilfe-Training mindestens aller zwei Jahre

– eine ununterbrochene Kommunikation zwischen der Leitung und den Teilnehmern ist abzusichern

– das Kletterseil wird grundsätzlich direkt beim TN am Gurt mit dem gestecktem Achtknoten eingebunden

– Einhaltung des „Vier-Augen-Prinzips“, das heißt, alle Handlungen sind nochmals von einem anderen Fachkundigen zu prüfen

– direkt vor dem Klettern Absprache und nochmalige Gurtkontrolle

 

 

c) Einführung der TN, Verhalten der Gruppe

es klettern nur die TN, welche vom Sicherungspersonal dazu aufgefordert werden, alle anderen TN halten sich an einem außerhalb vom Kletterbereich ausgewiesenen Platz auf

– der Lärmpegel insbesondere in geschlossenen Räumen muss so gehalten werden, dass eine Verständigung           zwischen Kletterer und Sicherungspersonal möglich ist

– wer die Kletterhalle oder das nahe Umfeld der Kletteraktion verlassen will, muss in jedem Fall das Gurtzeug ablegen

– den TN wird die Kletteranlage erklärt (beispielsweise wenn Bohrhaken* vorhanden sind, ist dort nicht hinein zu fassen)

– Ringe, Ketten und sonstiges Geschmeide sind abzulegen, insbesondere sind auch Hosentaschen von Gegenständen zu leeren (Verletzungsgefahr)

–  lange Haare sind ggf. mit einem Haargummi zusammen zu binden

– Verhalten beim Herablassen

– Erklärung der „Stopp-Regel“

– die TN machen sich „warm“, u.a. durch gymnastische Übungen

  beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), Einweisung zu  ökologischen Aspekten  und zum Naturschutz

 

d) grundsätzliche Anforderungen (an Träger und gleichermaßen an Leitung)

– Kletterwände sind hinsichtlich der Beschaffenheit der Seilsicherungspunkte (grundsätzlich redundant) sowie der Beschaffenheit der Kletterseile durch Sichtkontrolle zu prüfen. Defekte Anlagen sind nicht zu benutzen; Info an Hallenbetreiber!

  Klettergärten (Felsklettern), der Fels ist kein gewartetes Sportgerät; daher besonderes Augenmerk auf den Fels an sich (z. B. loses Gestein)  der Beschaffenheit der Seilsicherungspunkte (grundsätzlich redundant* und Sicherheitskontrolle der Sicherungspunkte, Gefährdung durch Witterungseinflüsse) legen.

– es sind bei längeren Veranstaltungen Ruhepausen für das Sicherungspersonal einzuplanen.

– bei einer mobilen Klettereinheit mindestens 2 Sicherungspersonen, ansonsten bei zusätzlichen Klettereinheiten jeweils ergänzendes Sicherungspersonal.

– in Kletterhallen mit Festeinbauten oder ähnlichen Anlagen und beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), gilt der Schlüssel von einer Sicherungsperson auf 6 Teilnehmer jedoch mindestens 2 Sicherungspersonen bei nur bis zu 6 Teilnehmern, bei mehreren Routen parallel nutzend jeweils ergänzendes Sicherungspersonal

    Grundsatz: Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips!

– bei besonderen Personengruppen ist der Schlüssel enger zu fassen.

 

 

e) grundsätzliches zur Ausstattung

– es sind ausschließlich nur Materialien zu verwenden, welche den aktuellen Sicherheitsstandards des Klettersports entsprechen.

– für den Gebrauch der Kletterseile ist ein Seilbuch zu führen. (Nutzungsdauer/ ggf. Normstürze)

– das Sicherungspersonal muss jeweils einen Gurt, einen HMS- Schraubkarabiner, ein Sicherungsgerät (wenn nicht über einen HMS- Knoten gesichert wird) und ggf. einen 2. Karabiner und eine genähte Bandschlinge oder eine per gesteckten Achtknoten verbundenes Bandschlauchmaterial für eine mögliche Bodensicherung haben.

  beim Klettern in Klettergärten (Felsklettern), zusätzlich noch genähte Bandschlingen in unterschiedlichen Größen,  ggf. auch Keile, Friends* oder andere zugelassene mobile Sicherungsmittel zum Einrichten der Kletterouten.

–  es sind ausschließlich nur Materialien zu verwenden, die sich in einem ordnungsgemäßen Zustand befinden. Die vom Hersteller vorgeschriebene Gebrauchsdauer ist einzuhalten.

– ausschließlich Gurte anzuziehen, die sowohl der Körperform und des Körpergewichts entsprechen.

– Erste-Hilfe-Set

 

 

 

 

Topropesicherung ist eine Sicherungsform, bei der das Sicherungsseil über einen oben, doppelt gelegten Umlenkpunkt von der Sicherungsperson zum Kletterer geführt wird und der nicht überklettert werden darf.

*²   DAV; Deutschen Alpenverein

*³   Einseillängenrouten sind Kletterrouten, bei der maximal die Länge der Kletterstrecke geklettert wird, die eine Kletterseillänge ohne Umbindendes Kletterers  in ein anderes Seil  hergibt.

*   Bohrhaken sind metallene Befestigungsringe an Wände, in denen Karabiner eingehängt werden können

*⁵   redundant; doppelt; gemeint sind hier doppelte jeder für sich einzeln befestigte Sicherungspunkte z.B. für die Topropesicherung

*⁶  Friends sind zugelassene, mobile Sicherungsmittel mit Spreizwirkung ähnlich eines Dübels, die in Spalten des Fels eingelegt werden können, um Kletterrouten zu errichten